Legasthenie im Medizinstudium: Mut zum weißen Kittel
Shownotes
In dieser Episode spreche ich offen über die Herausforderungen und Chancen, mit Legasthenie Medizin zu studieren. Ich erzähle von realen Erfahrungen betroffener Mediziner, den Stolpersteinen auf dem Weg zum Examen und warum soziale Kompetenzen im Arztberuf oft mehr zählen als perfekte Orthografie. Es geht um Mut, Durchhaltevermögen und die Kraft, sich nicht entmutigen zu lassen – auch wenn das Studium mehr Zeit und Energie verlangt. Ich teile praktische Tipps, wie man sich Unterstützung sucht, Hürden überwindet und den eigenen Weg in die Medizin findet. Lass dich inspirieren, warum Legasthenie kein Hindernis sein muss, sondern manchmal sogar zur besonderen Stärke werden kann.
Timo Grimm Erfolgreich trotz Legasthenie? Prof. Tiemo Grimm
Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung) https://www.bvl-legasthenie.de/legasthenie.html
Medizinstudium in Deutschland https://studienwahl.de/studienfelder/medizin-gesundheitswissenschaften-psychologie-sport#c3561
Ober melde euch bei mir, ich kenne mich als Legasthenie-Experte im Studium mit Legasthenie auch bei Mediziner aus. www.legasthenie-coaching.de
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Lars Michael Lehmann: In der neuen Episode beschäftigen wir uns heute mit dem Thema Legasthenie und Medizinstudium. Schon vor knapp einem Jahr – oder war es sogar vor einem Jahr? – hatte mich eine Familie kontaktiert, deren Kind mit einem guten Abitur und Legasthenie Medizin studieren wollte. Genau darum wird es heute gehen: Kann man als Legastheniker oder Legasthenikerin wirklich Medizin studieren? „Das schaffen doch nur die allerklügsten Köpfe“, mögen manche denken. Und tatsächlich: Die Hürden sind hoch – mit Sprache, Fremdsprachen, Latein, dem vielen Lernstoff, den hohen Anforderungen im Gesundheitswesen und so weiter. Doch das stimmt nicht. **Schon viele Betroffene haben ein Medizinstudium erfolgreich absolviert und arbeiten heute als sehr kompetente Ärztinnen und Ärzte** – trotz ihrer Legasthenie und gerade wegen ihrer besonderen Fähigkeiten. Mit genau diesen Herausforderungen und Lösungsansätzen werden wir uns in dieser Episode befassen.
Lars Michael Lehmann: Vor vielen Jahren – ich erinnere mich noch genau – klopfte ein Medizinstudent an meine Tür und sagte: „Herr Lehmann, ich habe wegen meiner Legasthenie das Physikum nicht bestanden. Ich bin einfach durchgefallen.“
Lars Michael Lehmann: Er kannte sich bestens mit den abgefragten Inhalten aus – Biologie, Psychologie, die medizinischen Grundlagen. Doch das Prüfungsamt ließ ihn nicht weiter zum Examen zu. Denn ich, Lars Michael Lehmann, bin nicht nur Begutachter für Kinder und Jugendliche, sondern seit über 20 Jahren auch für Erwachsene. Ich kenne mich mit Nachteilsausgleichen aus und setze sie in der Praxis um. Auch für die TU Dresden bin ich als unabhängiger Experte und Begutachter tätig. Immer wieder sind mir in dieser Zeit Menschen begegnet – auch Mediziner –, die trotz Legasthenie ein Medizinstudium absolvieren wollten.
Lars Michael Lehmann: Je anspruchsvoller oder akademisch elitärer ein Studiengang ist, desto größer sind die Herausforderungen – und desto mehr Hürden gibt es für Betroffene.Das gilt unabhängig vom familiären Hintergrund: Ob die Eltern selbst Mediziner sind oder ob die Studierenden aus nicht-akademischen Familien stammen und sich mit viel Einsatz ein gutes Abitur erarbeitet haben. Die Hintergründe sind vielfältig. Statistisch ist die Wahrscheinlichkeit zwar höher, wenn Eltern bereits Mediziner oder Akademiker sind– doch das bedeutet nicht, dass Kinder aus finanziell schwächeren Familien kein Medizinstudium schaffen können, sofern sie die intellektuellen Fähigkeiten mitbringen. Allerdings ist die Situation im deutschsprachigen Raum – ob in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – recht kompliziert. Hier könnten andere Länder vielleicht besser mit dem Thema umgehen. Die Frage ist klar: Wer den Weg in die Medizin geschafft hat, der schafft es auch. Es gibt immer wieder Betroffene, die als Mediziner arbeiten. Man muss nur an den Humangenetiker **Timo Grimm aus Luzern** denken, der selbst von Legasthenie betroffen ist und sich offen dazu äußert. (Er ist bekannt – man kann es googeln. Mit ihm habe ich vor vielen Jahren einmal telefoniert.)
Lars Michael Lehmann: Mittlerweile ist er leider in Rente. Die guten Kapazitäten gehen in Rente oder nähern sich dem Rentenalter. Doch ich, Lars Michael Lehmann, habe die unterschiedlichsten Ärzte kennengelernt: Plastische Chirurgen, Allgemeinmediziner, Neurologen, Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Zahnärzte, Internisten, Kinderärzte – um nur einige medizinische Bereiche zu nennen. Mir wurde sogar von einem Professor an einer Hochschule berichtet, der von einer Lese-Rechtschreib-Schwäche betroffen war.Er schrieb mit Fehlern an die Tafel und ging damit offen um – auch gegenüber seinen Medizinstudenten. Das sollte angehende Medizinstudierende mit Legasthenie ermutigen.
Lars Michael Lehmann: Die Hürden sind im deutschsprachigen Raum hoch – und das ist auch richtig und verständlich. Denn wir brauchen gut qualifizierte Ärztinnen und Ärzte, die sowohl über wissenschaftliche Fähigkeiten verfügen als auch über das empathische Vermögen, gut mit Patienten umzugehen und die medizinische Kunst verantwortungsvoll auszuüben. Und ich, Lars Michael Lehmann, habe in all den Jahren wunderbare Mediziner erlebt, die herausragende soziale und fachliche Kompetenzen hatten.
Lars Michael Lehmann: Allerdings gehen viele Betroffene – besonders in höheren Positionen – eher vorsichtig mit dem Thema um: **Je höher der berufliche Status, desto weniger wird darüber gesprochen.** Doch das sollte andere nicht entmutigen, den Weg in die Medizin einzuschlagen.
Lars Michael Lehmann: Trotz der hohen Anforderungen im Medizinstudium sollten Studierende den Mut haben, diesen Weg zu gehen** – besonders, wenn sie die nötigen Fähigkeiten mitbringen. --
Lars Michael Lehmann: Doch wie sieht der Weg zum Medizinstudium aus? Sollte man es wirklich wagen? Die Antwort lautet: Ja – wenn du die Fähigkeiten hast, Interesse an Menschen und Medizin mitbringst und Menschen auf hohem Niveau in ihrer Gesundheit unterstützen möchtest. Zwar steht unser Gesundheitswesen in der Kritik und vor großen Herausforderungen – doch das sollte dich nicht entmutigen, ein Medizinstudium zu beginnen. --
Lars Michael Lehmann: Frage dich also: Hast du Freude daran, komplexe medizinische Zusammenhänge zu verstehen – sei es in Biologie, Psychologie oder den Abläufen im menschlichen Körper? - Begeistert dich die Arbeit mit Menschen? - Ist Medizin vielleicht sogar dein Herzensthema? Dann solltest du es wagen – trotz deiner Rechtschreibschwierigkeiten! Denn wer sollte dich daran hindern? Oder warum sollte ausgerechnet die Legasthenie ein Hindernis sein? --- Natürlich musst du dir bewusst sein, dass du mehr Aufwand betreiben musst: - Du wirst wahrscheinlich mehr deiner Freizeit opfern. - Du musst mehr lernen, dir zusätzliche Fähigkeiten aneignen und Strategien entwickeln, um die Herausforderungen im Studium zu meistern. Dabei scheitern Legastheniker im Medizinstudium selten am logischen Denkvermögen oder am Verständnis komplexer Zusammenhänge. Vielmehr sind es oft die sprachlichen Hürden: - das langsame Verarbeiten von geschriebenen Inhalten, - die Schwierigkeiten, komplexe Studien zu lesen und zu analysieren, - oder das Zusammenfassen von Texten – etwa für die Doktorarbeit oder andere wissenschaftliche Arbeiten. Doch auch das ist kein unüberwindbares Hindernis.Die Ausprägung der Legasthenie ist bei jedem unterschiedlich. Lass dich also nicht entmutigen und konzentriere dich nicht nur auf die Hindernisse.
Lars Michael Lehmann: Ja, im Studium wirst du viel Latein brauchen – und möglicherweise auch andere Sprachen wie fließend Englisch. Aber das sollte dich niemals davon abhalten, es zu versuchen. Du musst einfach mehr Zeit und Energie einplanen. Und wenn du unsicher bist, was du tun kannst? Nutze Studienberatungsstellen oder studentische Hilfswerke. - Suche dir Unterstützung bei allgemeinen Beratungsstellen. - Sprich mit Freunden, die dir Mut machen und Tipps geben können, wie du dein Studium bewältigst. Heute gibt es so viele hilfreiche Tools – von künstlicher Intelligenz, die dir beim Strukturieren und Formulieren hilft, bis hin zu anderen technischen Hilfsmitteln. Ein weiterer Tipp: Probiere dich in Praktika aus oder absolviere vorher – falls du unsicher bist – eine medizinische Ausbildung, etwa als Pflegekraft. Dann kannst du später vielleicht über einen weiteren Bildungsweg zum Medizinstudium wechseln. Das mag zwar länger dauern, ist aber manchmal der einfachere Weg für Betroffene.
Lars Michael Lehmann: Das Leben ist eine Schule – und manchmal braucht es einfach länger. Gerade Fachleute, die Umwege gemacht oder sogar Rückschläge erlebt haben – auch im Studium –, sollten sich nicht entmutigen lassen. Es gibt immer wieder Medizinstudierende mit Legasthenie, die mehrfach gescheitert sind, weil sie nicht offen mit dem Thema umgegangen sind. Doch sie sollten es immer wieder versuchen, einen Schritt nach vorne zu machen – auch wenn es viel Kraft kostet. Kurz gesagt: Ein Medizinstudium mit Legasthenie ist durchaus möglich, wenn die Grundlagen stimmen. Und hier kommt ein besonderer Vorteil von Legasthenikern im Medizinstudium ins Spiel: Viele Betroffene bringen herausragende soziale Fähigkeiten mit – und genau die werden als Arzt oder Ärztin dringend benötigt. Sie können sich gut in andere Menschen hineinversetzen. - Sie denken über den Tellerrand hinaus. - Sie verfügen über Empathie und logisches Denkvermögen. Das sind Fähigkeiten, die in der Medizin mehr denn je gefragt sind. Und wenn du zusätzlich noch technische Kompetenzen mitbringst und gut mit modernen Technologien umgehen kannst, hast du beste Chancen im medizinischen Bereich. ---
Lars Michael Lehmann: Zugegeben, das klingt jetzt sehr allgemein – doch aus Datenschutzgründen darf ich keine konkreten Fälle nennen. Aber meine jahrzehntelange Erfahrung in der Praxis zeigt: Für Betroffene gibt es gute Möglichkeiten, ein Medizinstudium zu absolvieren. Es gibt zwar keine Studien oder Statistiken, die belegen, wie viele Studierende mit Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwäche es gibt. Doch angesichts des Fachkräftemangels sollten wir keine Angst vor technischen Umwälzungen oder KI haben. Stattdessen sollten Betroffene ihre Stärken ausbauen – insbesondere soziale Fähigkeiten, unabhängiges und logisches Denken. Und wenn du selbst Medizinstudent bist oder als Arzt/Ärztin mit dem Thema konfrontiert wirst: Du kannst dich gerne an mich, Lars Michael Lehmann, als Legasthenie-Experten wenden. Ich hoffe, ich konnte alle Betroffenen da draußen im deutschsprachigen Raum mit Legasthenie ermutigen, ein Medizinstudium anzustreben. **Vielleicht gibt es ja Ärzte, die das bestätigen können – die ihr Studium trotz Legasthenie geschafft haben.** Vielleicht meldet sich ja jemand öffentlich in unserem Podcast, um davon zu berichten, wie er oder sie es geschafft hat. --
Lars Michael Lehmann: Jetzt geht es in die Sommerpause.Wir hören uns dann bald wieder – voraussichtlich im August. Dieses Jahr plane ich, mit meiner Frau Anke – sie ist Teil unseres Legasthenie-Coaching-Teams – nach Innsbruck zu reisen.Denn wir feiern unser 25-jähriges Ehejubiläum. Ich freue mich darauf, ein, zwei Wochen abzuschalten. -- Und zum Schluss: Hinterlasst gerne einen Like oder fünf Sterne. Es freut uns, dass ihr uns zuhört – und wir hoffen, dass die Zahl unserer Zuhörer weiter steigt. Bis bald! Euer Legasthenie-Experte aus Dresden, Lars Michael Lehmann.
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