LRS und Notendruck: Nachteilsausgleich – Fluch oder Segen?
Shownotes
mit Lars Michael Lehmann (Legasthenie-Coaching gUG) Notenschutz bei LRS – eine umstrittene Lösung. Viele Eltern fordern ihn als Nachteilsausgleich, doch die rechtliche Lage (z. B. in Sachsen) sieht ihn nicht mehr vor. Warum? Weil er nicht immer hilft – und manchmal sogar schadet. In dieser Folge erklärt Lars Michael Lehmann, warum individuelle Maßnahmen (mehr Zeit, mündliche Leistungen) oft besser sind als pauschaler Notenschutz – und wie Schulen tatsächlich unterstützen könnten (aber oft nicht tun).
„Ein Nachteilsausgleich sollte keine Ausrede sein, sondern eine Brücke – aber nur, wenn er wirklich nötig ist.“ – Lars Michael Lehmann
Timestamps & Inhalte 00:02 – Intro: Warum Notenschutz bei LRS so umstritten ist 00:19 – LRS-Erlass in Sachsen: Warum der aktuelle Erlass aus dem Jahr 2009 veraltet ist und wie Schulen ihn unterschiedlich umsetzen – von strikter Ablehnung bis zu individuellen Lösungen. 01:30 – Wann Notenschutz Sinn macht – und wann nicht: Ja bei schweren Sprachstörungen (z. B. Dysgrammatismus) oder extremen LRS-Fällen, die eine besondere Unterstützung erfordern. Nein bei leichteren LRS-Formen, wo mehr Zeit oder mündliche Leistungen oft ausreichen. 04:35 – Die Gefahr des Notenschutzes: Wenn Kinder sich auf den Ausgleich ausruhen statt ihre Schwierigkeiten aktiv zu bewältigen – und wie Eltern diesem Risiko begegnen können. 08:00 – Schulische LRS-Förderung: Warum viele Angebote nur „Spielestunden“ sind und Gruppenkonzepte selten nachhaltig helfen. Ein kritischer Blick auf die Qualität der Umsetzung in Schulen. 12:40 – Hochbegabung & LRS: Warum kluge Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oft übersehen werden – und wie man ihre Bedürfnisse besser erkennt. 15:22 – Psychischer Druck durch Noten: Wann Bewertungen Schulängste verstärken – und was Eltern sofort tun können, um ihr Kind zu entlasten. 18:24 – Fazit: Kein Patentrezept, aber klare Handlungsempfehlungen für Eltern und Schulen – wie man individuelle Lösungen findet, die wirklich helfen.
Die wichtigsten Takeaways
- Notenschutz ist kein Automatismus – und oft nicht nötig
Rechtlich: In Sachsen gibt es keinen Notenschutz mehr (LRS-Erlass von 2009 – veraltet!). Praktisch: Manche Schulen setzen ihn trotzdem um – aber nicht immer sinnvoll.
Ja bei: schweren Sprachstörungen (z. B. Dysgrammatismus) oder extremen LRS-Fällen. Nein bei: leichteren LRS-Formen – hier reichen oft mehr Zeit oder mündliche Leistungen.
- Schulen umsetzen LRS-Erlasse sehr unterschiedlich
Gute Beispiele: Mehr Zeit für Aufgaben, Erklärhilfen, mündliche Prüfungen. Schlechte Praxis:
„LRS-Förderunterricht“ als Alibi („Wir machen mal was mit LRS“ – aber ohne Qualität). Offene Schulkonzepte (z. B. „Schreiben nach Gehör“) können LRS-Kinder überfordern.
Problem: Schulen haben kein einheitliches Vorgehen – und oft keine Fachleute.
- Die größte Gefahr: Kinder gewöhnen sich an „Schonung“
Risiko: „Ich habe einen LRS-Befund – ich muss nichts tun.“ Lösung: Forden & Fördern – nicht nur schonen!
Beispiel: Ein Kind mit leichtem LRS braucht keinen Notenschutz, sondern gezielte Förderung.
- Individuelle Lösungen sind besser als pauschale Ausgleiche
Besser als Notenschutz:
Mehr Zeit für Klassenarbeiten. Mündliche Leistungen stärker gewichten. Kleine Gruppen mit qualifizierten Kräften (selten realisiert!).
Gruppenförderung (z. B. LRS-Klassen) bringt selten Langzeiterfolge – Einzeltherapie ist wirksamer.
- Hochbegabte mit LRS werden oft übersehen
Mythos: „LRS-Kinder sind automatisch hochbegabt.“ → Falsch!
Die Mehrheit liegt im normalen IQ-Bereich (85–115). Aber: Bei Hochbegabten fällt LRS später auf – weil sie es lange kompensieren.
Folgen: Späte Diagnose → mehr Frust → psychische Probleme (Schulängste, Versagensängste).
- Wann Eltern handeln müssen
Alarmsignale:
Kind verweigert die Schule. Psychosomatische Beschwerden (Bauchschmerzen, Schlafstörungen). Keine Fortschritte trotz Förderung.
Sofortmaßnahmen:
Augen & Ohren checken lassen (HNO, Augenarzt). Kinder- und Jugendpsychologe bei Schulängsten. Externe Lerntherapie – nicht auf die Schule warten!
Zitate zum Teilen 🗣 „Ein LRS-Erlass aus dem Jahr 2009? Das ist steinzeitlich – die Realität in Schulen sieht völlig anders aus.“ 🗣 „Notenschutz kann helfen – aber wenn er zur Ausrede wird, schadet er mehr, als er nützt.“ 🗣 „Viele Schulen machen LRS-Förderung halbherzig – weil sie kein Personal haben, das sich auskennt.“ 🗣 „Eltern müssen aktiv werden: Forden, fördern, aber nicht überfordern – das ist der schmaler Grat.“
Ressourcen & Links 🔗 LRS-Erlass Sachsen (2007/08) – veraltet, aber noch gültig → Zum Link 🔗 Bundesverband Legasthenie: Nachteilsausgleich – Rechte & Pflichten → Zur Website 🔗 Kostenlose Beratung für Eltern 📞 Telefon: 0351-89991590 ✉ E-Mail: info@legasthenie-coaching.de 🌐 Website: www.legasthenie-coaching.de
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Nächste Folge: „LRS und Erziehung – wie viel Druck ist gut?“ (Ankündigung aus dem Podcast – Vorschau für Hörer!)
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Transkript anzeigen
Lars Michael Lehmann: Ali, Hallo, hier ist wieder der Lars, euer Legasthenie-Experte vom Legasthenie-Coaching-Podcast. Heute möchten wir das Thema LRS und Notendruck besprechen.
Lars Lehmann: In meiner langjährigen Praxis mache ich die unterschiedlichsten Erfahrungen zum Thema Notenschutz bei Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten im Schulwesen. Das wird immer wieder von den Eltern gefordert als Nachteilsausgleich. Ob das immer Sinn macht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die rein rechtliche Situation sieht das in den LRS-Erlassen, zumindest in Sachsen, nicht mehr vor, dass es da Notenschutz in der Rechtschreibung gibt. Sicherlich mag es Schulen geben, die das trotzdem umsetzen. Das Thema LRS-Erlass ist sowieso eine ziemlich komplexe Sache. Die letzte Version, wenn ich das richtig weiß, ist von 2009. Das ist die letzte Fassung, also das ist schon mehr als – mehr als 16 Jahre alt und bräuchte natürlich mal eine Anpassung und Erneuerung.
Lars Lehmann: Wie der LRS-Erlass umgesetzt wird, ist von Schule zu Schule verschieden. Und ob im jedem Fall ein LRS-Erlass für jedes Kind notwendig ist, hängt immer von den Schwierigkeiten des Kindes ab und sollte immer individuell angepasst werden. Das gelingt an manchen Schulen sehr gut. Gibt es auch sehr versierte Leute, die sich mit dem Thema Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten hier in Dresden und im Land auskennen. Da sehen wir eine sehr gute Umsetzung, dass die Kinder mehr Zeit bekommen. Die müssen nicht unbedingt einen Notenschutz bekommen im Fach Deutsch bei ganz, ganz gravierenden sprachlichen Defiziten, die nicht unbedingt eine LRS sein müssen. Gerade wenn Kinder dann in Sprachheilschulen waren oder dergleichen, da gibt es ja alle möglichen Sprachstörungen, die es einfach machen, dass das Umsetzen der Schriftsprache kaum oder nur schwer möglich ist, dann mag das vielleicht Sinn machen, dass dann die Kinder bei einem speziellen Dysgrammatismus dann auch Notenschutz erhalten und vielleicht sich mehr mündlich äußern. Das sind aber individuelle Einzelfälle. Der Mehrheit würde schon reichen, wenn sie mehr Zeit bei Lesaufgaben bekommt oder auch im Schreiben, bei Erklärhilfen, wenn dann der Text nicht richtig verstanden wird oder einfach mehr Zeit, um Aufgaben zu stellen und Texte zu lesen und besser zu verstehen. Dies macht durchaus Sinn über einen gewissen Zeitraum, wenn manche Kinder dann, vielleicht in den höheren Klassen, unbedingt die LRS-Klasse besucht haben oder besuchen wollen, je nachdem wie sich dann die Eltern entscheiden oder die LRS-Stützpunkte und die anderen Fachleute. Hier muss man genauer abklären, was dann im Einzelfall Sinn ergibt. Auf der anderen Seite ist es immer ein schmaler Weg, ob man die Kinder mit ihren Schwierigkeiten im Schulalltag überfordert, dass sie einfach wirklich so viel Druck bekommen und so viel Unsicherheit, dass sie wirklich häufig dazu geneigt sind, wirklich schlechte Zensuren zu erbringen, oder es gibt dann auch Kinder, die sich dann auf einen Nachteilsausgleich ausruhen könnten und sagen: „Okay, ich habe jetzt einen LRS-Befund und kann mich jetzt zurücklehnen und muss auch gar nichts weiter mehr dafür tun, dass die Schwierigkeiten sich ausgleichen können.“ Darum ist es immer eine Herausforderung, dann die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, dass es Maßnahmen geben sollte an den Schulen, das ist wichtig und richtig. Das hängt aber immer vom Einzelfall ab und von der einzelnen Schule, wie die Schulen die LRS-Erlasse umsetzen oder ob sie auch personell so gut aufgestellt sind, dass sie da Fachleute an der Seite haben, die das umsetzen können.
Lars Lehmann: Eine Herausforderung, dann die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, dass es Maßnahmen geben sollte an den Schulen, das ist wichtig und richtig. Das hängt aber immer vom Einzelfall ab und von der einzelnen Schule, wie die Schulen die LRS-Erlasse umsetzen oder ob sie auch personell so gut aufgestellt sind, dass sie da Fachleute an der Seite haben, die das umsetzen können. Bei den jüngeren Schülern ab der 2. Klasse, 3. Klasse, da macht es häufig Sinn für einen gewissen Zeitraum dann auch mehr Zeit zu geben. Man hat dann auch immer sehr, sehr kluge Kinder, die das auch kognitiv recht gut kompensieren können. Dann muss man gucken, da muss nicht unbedingt immer ein LRS-Erlass umgesetzt werden. Die brauchen dann vielleicht eine spezielle, separate Förderung für ihre individuellen Einzelfälle. Kommen die auch ohne einen LRS-Erlass mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche mit einer leichteren Form vielleicht deutlich besser durch die Schule, als wenn man dann die Schulen ständig um Maßnahmen betteln muss. Dann gibt es natürlich die mittelgradigen und schwereren Fälle. Hier hängt natürlich die ganze Sache ab, was es noch für Maßnahmen gibt, entweder Psychotherapie, Lerntherapie oder Sprachtherapien. Da gibt es ja alles Mögliche an Unterstützungsmaßnahmen oder vielleicht LRS-Förderunterricht an den Schulen, wenn er angeboten wird. Der LRS-Förderunterricht an den Schulen wird sehr unterschiedlich umgesetzt. Qualitativ kann man das als Experte von außen kaum beurteilen, was da getan wird. Man hat häufiger den Eindruck, das ist so eine Spielestunde und man kann den Kindern was sagen: „Wir machen mal was mit LRS.“ Die LRS-Leute sind da eher rudimentär ausgebildet. Das ist keine vertiefende Qualifikation. Man muss immer dazu sagen, dass es ein Politikum ist. Hauptsache, wir machen was zum Thema Inklusion. Und zum Thema Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, weil es ja doch reichlich Kinder betrifft, die da Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb haben. Die Gründe und Hintergründe habe ich ja schon mehrfach in meinem Podcast berichtet. Darum ist das sehr unterschiedlich, was den Schulen dargeboten wird. Man sollte die Maßnahmen nicht überbewerten, kann sie, wenn sie angeboten werden, Eltern mitgeben, dass vielleicht doch ein bisschen was zusätzlich schulisch getan wird. Man sollte sich keine riesigen Hilfen davon erwarten. Das ist nicht vom Einzelfall her gedacht, vom individuellen Fehler, Schwerpunkte usw. und von der individuellen Persönlichkeit. Wenn die Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten bewältigt werden wollen, braucht es eine individuelle, umfassende Unterstützung. Und das ist der wichtigste Ansatz, die Schwierigkeiten besser zu bewältigen. Von Gruppenkonzepten kann man vielleicht durch das gemeinsame Lernen und Kennenlernen, dass es andere Kinder gibt, wenn es ähnlich geht, dass die Schwierigkeiten häufiger vorkommen. Das könnte sie vielleicht in ihrem Selbstbewusstsein stärken. Das kann mit einer Maßnahme sein, das ist ähnlich wie mit den LRS-Klassen. Ob das nachhaltige Effekte im Lernentransfer als Langzeitwirkung geben wird, ist eher zu bezweifeln. Das ist nicht tiefgreifend genug. Darum ist es eine bildungspolitische Maßnahme, die in Ordnung ist, dass man da wenigstens was versucht, wenn man in den letzten 15 Jahren vielleicht offener mit der Thematik umgeht.
Lars Lehmann: Umgang an den Schulen ist sowieso von Schule zu Schule verschieden. Das kann man gar nicht verallgemeinern. Die Schullandschaft ist viel zu breit aufgestellt, gerade hier in der Stadt Dresden und im Umland in Sachsen. Wie sind es sowieso die Vorreiter mit Schulen freier Trägerschaft? Da kann man auch nicht immer sagen, ob das unbedingt dann die beste Lösung für das Kind ist. Eine freie Schule oder eine Regelschule, das ist sehr, sehr unterschiedlich und es hängt immer vom Lerntyp und vom Kind ab, welche Schule da geeignet ist. Ganz offene Konzepte sind sicherlich für Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben oder auch rechnen, nicht so gut geeignet, auch wenn man offene und kleinere Methoden und kleinere Klassen da vielleicht den Kindern mehr Halt geben kann und ein besseres soziales Miteinander im Lernen. Aber methodisch sind da manche Dinge fragwürdig, auch wie das Schweizer Modell, also das Schreiben nach Gehör oder andere Methodiken, die man da in dem Bereich anwendet. Und gerade wenn dann Kinder sich aussuchen können, was sie lernen möchten, ist es schwierig, die Lernschwierigkeiten zu kompensieren. Sie müssen zielgerichtet und direkt angegangen werden, auch wenn das manchmal vielleicht auch Widerstand in der Familie mit sich bringt. Aber es bringt nichts, wenn man die Schwierigkeiten einfach so ganz locker, lax einfach so nebenher behandelt. Es gibt auch noch andere Fähigkeiten und die Potenziale sind viel wichtiger. Ich denke mal, das ist für die kindliche Psyche und auch für die ganze Familie bestimmt nicht zuträglich. Da habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht mit den offenen Konzepten. Und dann bei manchen wird das Thema ja völlig geleugnet, dass es überhaupt Lese-Rechtschreib-Schwächen gibt und dass eben alle gleich begabt werden und so eine Verallgemeinerung ist ganz schwierig. Es gibt eben sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen. Sicherlich, wie ich schon in einiger Zeit auf unserer Webseite veröffentlicht habe, ist natürlich ein allgemeiner Mythos, dass die Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Legasthenie automatisch mit der Hochbegabung zusammenhängen muss. Dass es natürlich manchmal Kinder und Jugendliche oder Erwachsene gibt, die im oberen Durchschnittsbereich sind, das mag gehäufter vorkommen als vielleicht in der gesamten Bevölkerung. Aber dass das gleich alle automatisch hochbegabt sind, das mag ich bezweifeln. Die Mehrheit ist im Spektrum von 85 bis 115 IQ. Das sehe ich auch in meiner langjährigen Praxis, dass die Mehrheit in diesem Bereich sich bewegt. Natürlich gibt es auch manchmal knappe Lernbehinderungen, die dann vielleicht ein ganzes Stückchen unter 85 sind. Und wo man da genau hingucken muss, wie sich dann die Betroffenen entwickeln, da kann es manchmal zu Fehleinschätzungen kommen. Und bei den Hochbegabten fällt dann manchmal die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben gar nicht so richtig auf, weil man eben denkt: „Ja, das Kind ist ziemlich pfiffig und intelligent und da können die Schwierigkeiten gar nicht so auftreten.“ Und wenn man die ganze komplexe Entwicklungsgeschichte der Betroffenen nicht wirklich versteht, ist es natürlich auch schwierig, dann einen passenden Nachteilsausgleich für die Betroffenen anzupassen. Und hier können sich wenige...
Lars Lehmann: Am allerwenigsten können die Schulbehörden wie die LRS-Stützpunkte das leisten. Das ist viel zu wenig. Das ist nur die pädagogisch-psychologische Ebene. Darum muss man auch nach den klinischen Aspekten mit Kinder- und Jugendpsychologie oder den SBZ oder Neurologie schauen. Hier muss man das Wissen miteinander verbinden und dann passende und individuelle Nachteilsausgleiche für die Kinder entwickeln und dass man dann im individuellen Fall die Kinder richtig unterstützen und fördern kann. Wenn man das genauer jetzt im Einzelnen betrachtet, ist es nicht selten eine Herausforderung, dass dann einen Nachteilsausgleich gibt. Darum haben dann auch nicht wenige ganz schönen Druck oder erleben es als Druck in der Schule, wenn dann Zensuren einfach in den Klassenbüchern vergeben werden. Das mag alles stimmen, dass das Thema Notenvergabe an Schulen, das Bewerten, da mag es auch bestimmte Kritik geben, die berechtigt ist, aber trotzdem muss man die schulischen Leistungen in irgendeiner Form bewerten können. Sicherlich sind auch schriftliche Beurteilungen im Detail nicht schlecht, wie man die Kinder dann in ihren einzelnen Leistungen beurteilt, schriftlich. Und dadurch auch die ganze Entwicklung mit betrachtet, das ist durchaus gut. Aber wenn man vollkommen Bewertungen und Noten wieder abschaffen will, da mag es Verfechter geben, die sowas mögen, aber ich bin der Meinung, dass die Kinder und Jugendlichen müssen sich dann sowieso auf lange Sicht auch im Arbeitsumfeld durchsetzen und sie müssen eben an bestimmten Punkten doch ihre Leistung bringen. Das im gesunden Maße, das muss jeder. Und wenn man die Kinder immer nur bewerten will, dann will man einfach dann auch den Schwierigkeiten aus dem Weg gehen. Und woher soll dann auch der Anspruch kommen, besser zu werden und die Schwierigkeiten noch zu bewältigen? Hier gibt es sicherlich in der Fachwelt keine einheitlichen Ansichten. So breit aufgestellt ist auch unser Bildungswesen.
Lars Lehmann: Und so unterschiedlich ist auch der Umgang mit dem Druck umzugehen an den Schulen, gerade bei Lernschwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Hier gibt es kein Patentrezept, weil man das muss immer vom individuellen Kind aus denken. Eltern sollten beachten, wenn dann der Druck zu groß ist, auch psychisch für die Kinder und sich kaum Lernfortschritte ergeben, dann sollten die Eltern dann schon mit den Schulen über den individuellen Nachteilsausgleich sprechen. Aber sie sollten natürlich auch das Kind immer daran denken, fordern und fördern. Das sollte auch immer ein wichtiger Ansatz sein, dem Kind zu signalisieren: „Du hast zwar eine Schwäche, aber wir bemühen uns zusammen, dass du deine Schwierigkeiten gut bewältigst.“ Dann sollte man natürlich immer versuchen, den Lehrern offen über die Schwierigkeiten zu reden. Auch wenn Lehrer manchmal gar nicht den Blick bei 28 Kindern darauf haben können, wie die Schwierigkeiten manchmal sich dann auswirken auf das Kind. Hier sollte man auch auf die psychische Gesundheit und Stabilität achten. Wenn es da zu Schulängsten, Versagensängsten kommt, sollte man sich an den Kinder- und Jugendpsychologen oder Kinderarzt oder andere Fachleute wenden. Wichtig ist natürlich im jüngeren Kindesalter, dass man dann die Gesundheit der Augen und Ohren abklärt. Und wenn man wirklich merkt, dass es sehr, sehr langsam vonstatten geht, der ganze Schriftspracherwerb, sollte man dann vielleicht auch nochmal eine klinische Überprüfung bei Kinder- und Jugendmedizinern machen, genauer abzuchecken, was vielleicht dann im Gedächtnis für Ursachen geben kann, dass der Erwerb des Lesens und Schreibens behindert wird. Hier sollte man sehr früh genauer hinsehen, dass man diese Probleme nicht verschleppt, wenn man nämlich die Probleme wirklich verschleppt, können sich bis ins Teenageralter psychische Erkrankungen dazugesellen und können sich daraus entwickeln. Eltern sollten genau abwägen: „Mache ich dem Kind jetzt zu viel Druck oder zu wenig?“ Das obliegt natürlich den Eltern, wie sie ihre Kinder fordern und fördern wollen. Wenn sie sich unsicher sind, sollten sie sich eine Expertenmeinung einholen oder Stellen zur Erziehung aufsuchen. Ich werde auch demnächst noch einen Podcast zum Thema LRS und Erziehung hier veröffentlichen.
Lars Lehmann: Wie ihr seht, ist das Thema wieder ziemlich komplex. Und wenn Sie zum Thema LRS und Notendruck Fragen haben, können Sie sich gerne jederzeit an unser Institut wenden oder uns eine E-Mail schreiben. Wir beantworten diese gerne. Wir freuen uns, wenn Sie diesen Podcast folgen, liken und weitersagen. Uns liegt es am Herzen, dass wir Kinder, die Schwierigkeiten haben, erkennen, verstehen und ihnen helfen, diese zu bewältigen. Bis bald. Ihr Lars, euer Legasthenie-Experte. Ciao.
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